Vom Spielturm zum Heißluftballon
Ein Spielturm war für mich schon als Kind die höchste Plattform, auf die ich mich gegeben habe. Ganz untypisch für Kinder war ich nie bereit, auf einem Volksfest in ein Fahrzeug zu steigen, das höher als zwei Meter über dem Boden flog. Mein größter Albtraum waren immer die Riesenräder, in denen man zig Meter über der Erde saß. Diese Höhenangst habe ich leider beibehalten, nur dass ich mittlerweile nicht mal mehr auf die Spieltürme am Spielplatz steige.
Das ganz veränderte sich schlagartig, als ich zu meinem Geburtstag eine Ballonfahrt mit dem Heißluftballon geschenkt bekommen habe. Im ersten Moment musste ich ein bisschen gekünstelt Freude zeigen, denn ich konnte ja meinen weitläufigen Bekannten nicht mitteilen, dass ich dieses Geschenk leider nicht einlösen kann. Dies gelang mir aber recht gut, da ich mir einfach vorstellte, die Fahrt meiner Freundin zu schenken, die sich mit Sicherheit riesig darüber freuen würde. Plötzlich kam allerdings aus dem Gespräch heraus, dass meine Bekannten mich begleiten werden und sich schon riesig darauf freuen.
Nun wusste ich allerdings nicht mehr weiter. Einen kurzen Moment lang überlegte ich, ob ich ehrlich sein soll und ihnen mitteilen soll, dass ich aufgrund meiner Höhenangst nicht mitfliegen kann. Auf der anderen Seite erschien es mir als eine perfekte Möglichkeit, meine Höhenangst endlich zu überwinden. Schließlich entschloss ich mich, das Geschenk anzunehmen, allerdings nicht ohne Vorbereitung. Mein methodischer Weg zur Ballonfahrt sah folgendermaßen aus:
- Spieltürme
- Kettenkarussell
- Riesenrad
- Heißluftballon
Ich dachte mir, ich muss die Baumhaushöhe schrittweise steigern, damit die Ballonfahrt nicht all zu schlimm wird. Aus diesem Grund kam mir das Münchener Oktoberfest genau gelegen. Mit zwei Freundinnen, die bestens über meine Höhenangst Bescheid wissen, wagte ich mich zunächst ins Kettenkarussell. Zu Beginn der Fahrt zitterte ich und mit stand der Angstschweiß auf der Stirn. Als das Karussell sich allerdings ein paar Sekunden drehte, wurde meine Angst immer weniger und ich konnte es fast sogar ein bisschen genießen. Ähnlich erging es mir bei der Riesenradfahrt. Anfänglich traute ich meine Augen nicht öffnen, aber gegen Ende der Fahrt blickte ich schon auf das Oktoberfest herab.
Auf jeden Fall fühlte ich mich nun bestens vorbereitet für die Ballonfahrt. Als der Tag gekommen war stieg ich ganz cool ein und ließ mir meine Aufregung kaum anmerken. Obwohl ich anfangs ziemliche Angst hatte, war nach ein paar Minuten ein Moment erreicht, ab dem ich die Fahr einfach nur genießen konnte. Ich blickte über die Städte, die wunderschönen Landschaften und gleichzeitig war ich noch überaus stolz auf mich selbst, dass ich meine Höhenangst überwunden hatte. Im Nachhinein war ich wirklich froh, dieses wunderschöne Geschenk angenommen zu haben und eine höhere Aussichtsplattform als den Spielturm kennengelernt zu haben.